ELLA-Regionalkonferenz Stendal (2)


Dr. Franke


Mathias Buß


16.12.2005





Moderator:

Ist das alles eine Symptombehandlung oder tatsächlich eine Ursachenbekämpfung?

Dr. Franke:

Wir können Hochwasser nicht verhindern, sondern wir müssen mit dem Hochwasser leben, müssen uns verantwortlich der Hochwassergefahr stellen und müssen im wahrsten Sinne des Wortes, uns vorher dahingehend Sorgen machen, dass man präpariert ist auf ein entsprechendes Extrem-Ereignis. Das Hochwasser wird wieder kommen, die Frage ist lediglich, zu welchem Zeitpunkt.

Moderator:

Aus Ihren Erfahrungen heraus, das sind ja nun transregionale und transnationale Projekte, die Sie verwirklichen: Gibt es da tatsächlich Rückschlüsse auf die Meteorologen, dass tatsächlich dort kontext Einfluss genommen werden kann?

Dr. Franke:

Ja, wenn man das aus wissenschaftlicher Sicht beantworten will, dann ist es schon so, dass der globale Klimawandel ein Fakt ist. Die Frage ist natürlich weiterhin ungeklärt, in welcher Form regionale Veränderungen stattfinden werden. Wir sind gut beraten, wenn wir uns frühzeitig auf die Veränderungen einstellen. Und ich möchte noch einmal betonen, diese extremen Ereignisse, um die es ja geht, die sehr selten auftreten, sind durch ihren Schadensumfang und ihr Schadenspotential so gefährlich, dass man sich rechtzeitig damit beschäftigen muss. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie man das tun kann.

Moderator:

Herr Dr. Franke, dieses Hochwasser-Managment-System, das wird ja, wie schon angesprochen wurde, eingeführt. Dazu wurde im Januar der erste Schritt abgeschlossen. Wie steht es nun um die Realisierung des Systems? Kann es schon woanders nachgenutzt werden?

Dr. Franke:

Ja, das System ist offen angelegt. Es ist im Grunde eine Fachschale, die mit spezifischen Daten aus dem jeweiligen Landkreis gefüttert wird und dann angewandt werden kann. Das System ist nicht in seiner Spezifik auf einen Landkreis bezogen, sondern es ist offen verwendbar.

Moderator:

Zum Anfang des Projektes und mal verglichen mit heute, ist da Ernüchterung eingetreten oder sind Sie jetzt noch genauso optimistisch?

Dr. Franke:

Wir sind optimistisch. Wir müssen aber auch realistisch sein, und der Realismus bezieht sich auf die Machbarkeit des Systems. Es ist funktionsfähig und funktionstüchtig und ist auch schon in Ansätzen erprobt, aber noch nicht komplett. Es ist so gut, wie man damit umgeht und wie gut die Datenverknüpfungen, die man braucht, tatsächlich hergestellt werden können. Das System als solches funktioniert nur mit den Menschen.

Moderator:

Frau Beltschewa, wie schätzen Sie die heutige Regionalkonferenz ein?

Frau Beltschewa:

Also, ich glaube, dass die Regionalkonferenz sehr viele offene Fragen anspricht. Sie hat gezeigt, was der Beitrag des Projektes ELLA ist, wo sind noch die offenen Probleme, die innerhalb des Projektes zu lösen sind oder aber auch nach dem Projektabschluss bleiben. Wir erhoffen uns auch für die weiteren Regionalkonferenzen, die uns bevorstehen, und vor allem für unsere Wanderausstellung, die im April nächsten Jahres beginnt, dass wir unsere Probleme auch der Bevölkerung nahe bringen und dass die Bereitschaft der Betroffenen auch steigt, mit dem Fluss zusammenzuleben und privat Vorsorge zu treffen.





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